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SchuldnerAtlas Metropole Rhein-Neckar 2010
SchuldnerAtlas Metropolregion Rhein-Neckar 2010
Über 200.000 Personen in der Region überschuldet -
Anstieg jedoch moderater als befürchtet
Im Jahr 2010 waren 9,83 Prozent der volljährigen Bürger der Metropolregion Rhein-Neckar überschuldet (entspricht über 200.000 Personen). Damit liegt der Schuldneranteil in der Metropolregion leicht höher als in den umgebenden Bundesländern und auch leicht über dem Bundesschnitt (9,50 Prozent)
Dies sind die Kernerkenntnisse des aktuellen SchuldnerAtlas für die Metropolregion, den die Creditreform Geschäftsstellen aus Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen und Speyer zum dritten Mal gemeinsam erstellt haben. Der SchuldnerAtlas zeigt, wie sich die Überschuldung privater Verbraucher innerhalb Deutschland kleinräumig verteilt. Überschuldung liegt vor, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm weder Vermögen noch andere Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Oder kurz: Die zu leistenden monatlichen Gesamtausgaben übersteigen die Einnahmen.
Trotz Wirtschaftskrise kein neuer Schuldnerrekord
Trotz des zurückliegenden historischen Wirtschaftseinbruchs ist die Zahl der überschuldeten Verbraucher nicht so stark gestiegen wie befürchtet. Eine deutliche Verschlechterung der Überschuldungssituation in Deutschland wurde auch dank Kurzarbeitergeld und der damit weiterhin stabilen Einkommen zunächst verhindert.
Allerdings ist die im Vergleich zum Vorjahr erhöhte Schuldnerquote auch Ausdruck der zeitweisen Verschlechterung am Arbeitsmarkt infolge der Rezession. Immer noch gilt der Verlust des Arbeitsplatzes als Hauptauslöser für Überschuldung. Zum Zweiten lassen die gestiegenen finanziellen Belastungen der Verbraucher - etwa für Gesundheit und Altersvorsorge sowie für Miete und Nebenkosten - weniger Spielraum, um bestehende Kreditverpflichtungen erfüllen zu können.
In allen Bundesländern ist 2010 eine Zunahme der privaten Überschuldung zu verzeichnen. Die Werte von Rheinland-Pfalz (9,71 Prozent), Hessen (9,53 Prozent) und Baden-Württemberg (7,06 Prozent) liegen dabei unter dem Wert der Metropolregion Rhein-Neckar (9,83 Prozent).
Die Schuldnerquoten aller 15 Kreisen und kreisfreien Städten der Metropolregion haben sich 2010 gegenüber den Vorjahreswerten verschlechtert.
Heidelberg weist mit 6,76 Prozent weiterhin die geringste Quote auf. Die höchsten Schuldneranteile findet man in den Städten Worms, Ludwigshafen und Mannheim (13,9 Prozent - 12,44 Prozent).
Im bundesweiten Vergleich der Kreise belegt Heidelberg einen guten Rang 77. Mit Worms, Ludwigshafen und Mannheim rangieren gleich drei Städte unter den letzten 35 der insgesamt 412 Plätze.
Der Blick auf die PLZ-Ebene zeigt große Unterschiede
Ein Blick auf die einzelnen Postleitzahlen-Gebiete innerhalb der Kreise erlaubt eine noch kleinräumigere Differenzierung der Schuldnersituation. So ist die angespannte Schuldnersituation in der Kreisstadt Mannheim in erster Linie auf die PLZ-Gebiete der Innenstadt zurückzuführen, während Stadtteile wie Feudenheim (5,39 Prozent) oder Neuostheim (6,45 Prozent) weit unterdurchschnittliche Schuldneranteile aufweisen. Bezeichnend ist die Situation im Kreis Bergstraße: Die Postleitzahlgebiete in direkter Nachbarschaft zu den Städten Worms, Mannheim und Ludwigshafen weisen eine mittlere bis erhöhte Schuldnerquote aus. Auf Kreisebene gleichen jedoch die ländlicheren Gebiete im Osten des Kreises die Schuldnerquote auf einen geringen Wert aus.
Der höchste Schuldneranteil wurde mit 23,53 Prozent erneut für die PLZ 68159 Mannheim ermittelt. In den westlichen Quadraten der Innenstadt ist somit fast jeder vierte Verbraucher über 18 Jahren überschuldet. Den niedrigsten Wert in der Metropolregion weist die PLZ 69120 Heidelberg Neuenheim auf. Hier sind gerade mal 3,66 Prozent der Privatpersonen überschuldet.
Mehr Frauen sind überschuldet - Junge Erwachsene mit stark steigender Schuldnerbetroffenheit
Die Verschuldungsproblematik verstärkt sich bei weiblichen Schuldnern und in bestimmten Altersgruppen überdurchschnittlich: Während der Anteil der Männer an den überschuldeten Privatpersonen bundesweit seit 2004 von 68,0 auf 61,3 Prozent zurückging (minus 6,7 Prozentpunkte), stieg der Anteil der Frauen um 6,7 Prozentpunkte auf 38,7 Prozent. Demnach sind 3,98 Millionen aller überschuldeten Personen männlichen und 2,51 Millionen weiblichen Geschlechts. Im Vergleich zum Jahr 2009 erhöhte sich die Zahl der überschuldeten Frauen um 11,4 Prozent, während die Zahl der betroffenen Männer nahezu stagnierte (plus 0,9 Prozent).
Auch in Bezug auf das Alter des Schuldners gibt es unterschiedliche Trends: So liegt die bundesweite Schuldnerquote bei Personen in der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre mit 13,29 Prozent zwar weiterhin am höchsten, allerdings sind relativ gesehen weniger Personen betroffen als im Jahr 2004 (15,18 Prozent). Anders dagegen die Entwicklung bei jungen Erwachsenen: Von den 20 bis 29-jährigen Einwohnern Deutschlands gelten mittlerweile 10,75 Prozent als überschuldet. Das sind fast 400.000 Personen oder 3,20 Prozentpunkte mehr als 2004, als die Schuldnerquote in diesem Alterssegment noch bei unterdurchschnittlichen 7,55 Prozent lag. Einen Anstieg der Schuldnerquote im Vergleich zu 2004 verzeichnen auch die Altersgruppe der unter 20-Jährigen (plus 1,12 Prozentpunkte) sowie ältere Personen über 70 Jahre (plus 0,22 Prozentpunkte).
Ausblick: Vorerst kein Rückgang zu erwarten
Trotz der momentanen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt ist in den kommenden zwei Jahren nicht mit einem Rückgang der Verbraucherüberschuldung zu rechnen. Jeder zehnte Deutsche (9,8 Prozent) fühlt sich bereits jetzt durch seine finanziellen Verbindlichkeiten überfordert, ein weiteres Drittel (32,0 Prozent) hat wenigstens manchmal "Schuldenstress". Die von der Bundesregierung geplanten Sparmaßnahmen sowie weitere Faktoren - wie zunehmende Wohnkosten und der Anstieg prekär Beschäftigter - drohen Auslöser für eine neuerliche Überschuldungsentwicklung zu sein.
Zitat zum aktuellen SchuldnerAtlas:
"Vor dem Hintergrund der zurückliegenden Wirtschaftskrise ist die Negativentwicklung der Überschuldungssituation als moderat zu bezeichnen. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass erstmals seit 2007 die Schuldnerquote in allen 15 Kreisen der Metropolregion gestiegen ist. Bedenklich ist der Trend, dass immer mehr junge Menschen in die Schuldenfalle geraten. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Geld und grundlegende Finanzkenntnisse müssen zukünftig verstärkt an unseren Schulen und Ausbildungsstätten vermittelt werden."
Oliver Dangmann, Geschäftsführer Creditreform Mannheim
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