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Pricing: Wie sag ich's meinem Kunden?

Die Kosten steigen, doch vielen Unternehmen fällt es schwer, die Mehrbelastung an die Kunden weiterzugeben. Wir geben Tipps zum richtigen Pricing.

Es war wieder einmal ein Meisterstück von Aldi: Als die Bauern eine Erhöhung der Milchpreise durchsetzten, gab der Lebensmitteldiscounter diese Kosten ganz bewusst nur zum Teil weiter. Für diesen "Dienst am Verbraucher" wurde er überall bejubelt – dabei hatte er damit laut "Handelsblatt" zugleich seine Verkaufsmenge stabilisiert. Viele andere Unternehmen aber stecken in der Zwickmühle: Einerseits laufen ihnen die Kosten aus dem Ruder, andererseits verhindern Wettbewerbsdruck und Kaufzurückhaltung die nötige Anpassung.

"Pricing ist eine echte Managementherausforderung geworden", sagt Hermann Diller, Marketingprofessor an der Uni Erlangen. Zum Teil seien die Probleme aber auch hausgemacht, ergänzt sein Kollege Professor Oliver Roll von der FH Osnabrück: Viele Unternehmen hatten ein professionelles Preismanagement in den vergangenen Jahren vernachlässigt.

Preiserhöhungen sind immer unangenehm, daher sparen viele Firmen lieber im Einkauf oder in der Produktion. Laut "Handelsblatt" ist der Spielraum hierfür nach Jahren der Verschlankung inzwischen aber weitgehend ausgereizt. Selbst Effizienzwunder Toyota denke angesichts der aktuellen Preisschübe über eine Erhöhung der Verkaufspreise nach.

Man muss also ran an den Preis – und das führt unausweichlich zu Konflikten mit den Kunden. Rückendeckung des Top-Managements ist daher immens wichtig, wie Professor Roll betont. Und der Vertrieb braucht gute Argumente, um dem Kunden selbstbewusst gegenüber treten zu können.

Der Kunde wiederum müsse nachvollziehen können, dass die Preiserhöhung fair und unausweichlich sei, rät Professor Diller. Das gehe am besten, wenn die Preiserhöhung mit ein wenig Mehrwert einhergehe – etwa mit zusätzlichen Serviceangeboten oder einer Qualitätsverbesserung. Viele Firmen sei es so gelungen, zugleich die Preise zu erhöhen und Marktanteile auszubauen, das zeigt eine Studie der Uni Erlangen. Was Unternehmen sonst noch machen können, um Mitarbeiter, Kunden und den Markt auf höhere Preise einzustimmen, verrät unser Kasten auf dieser Seite.

Checkliste: So wird Ihr Pricing ein Erfolg

Was ist zu tun, worauf ist zu achten und wie ist vorzugehen, um bei Preiserhöhungen die Angst im Verkauf, die Zweifel des Managements und die Unsicherheit im Markt zu beseitigen? Dr. Karl-Heinz Sebastian und Dr. Andrea Maessen, beide Partner und Pricing-Experten bei der Kölner Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners, geben folgende Tipps:

  1. Reagieren Sie auf Kostensteigerungen möglichst mit proportionalen Preiserhöhungen, um die Marge zu sichern oder gar zu erhöhen.

  2. Antizipieren Sie Kostensteigerungen am Markt möglichst früh, um die Preiserhöhungen optimal zu timen.

  3. Ihr Einkauf ist mit der wichtigste Ansprechpartner für die Planung der Preiserhöhungsziele.

  4. Erhöhen Sie die Preise für alle Produkte und Kunden niemals gleich und nach dem Gießkannenprinzip: Bei Key Accounts oder Produkten mit hoher Austauschbarkeit erhöhen Sie unterproportional, mehr Spielraum haben Sie bei Nischen- und Verbundprodukten und solchen, die weniger im Preisfokus des Kunden stehen.

  5. Faustregel: Wer nicht ausreichend profitabel ist, muss stärkere Preiserhöhungen akzeptieren – hochprofitable Kunden wiederum dienen der Geschäftssicherung und erhalten geringere Erhöhungen.

  6. Konzipieren und kommunizieren Sie Preiserhöhungen richtig – mit ausreichend zeitlichem Vorlauf und solider inhaltlicher Begründung. Briefen Sie ihr Verkaufsteam entsprechend, auch mit Hilfe von Argumentationsleitfäden, FAQs und Kundenpräsentationen. Pressmitteilungen und Managerinterviews in der Zeitung bereiten derweil den breiten Markt entsprechend vor.

  7. Bei der Umsetzung der Preiserhöhungen in Verhandlungen führen viele Wege zum Ziel: Erhöhung der Bruttopreise, Reduzierung der Rabatte und Boni, Nutzung von kostengebundenen Zuschlägen und Gebühren, Verkürzung der Zahlungsziele und Reduzierung der Skonti, Verrechnung von Services etc. Ideal ist ein Mix von Maßnahmen.

  8. Zuschläge wie die Kerosin-Zuschläge der Airlines empfehlen sich bei starken und volatilen Kostenveränderungen, denn sie lassen sich unabhängig vom allgemeinen Preisniveau einführen und verändern.

  9. Zwar schmerzt jeder Kundenverlust, dennoch gilt: Eine Preiserhöhung ohne Kundenverluste war eine zu niedrige Preiserhöhung.

  10. Erfassen und kontrollieren sie die Ergebnisse der Preiserhöhungen möglichst zeitnah: Monatsberichte kommen zu spät. Etablieren sie "Negotiation Control Rooms", die tagesgenau feststellen, ob die verhandelten Preise von den Preiserhöhungszielen abweichen – und wie sich die Absatzmenge entwickelt. So können sie taktisch gegensteuern, etwa durch kommunikative Maßnahmen, die erneut Hintergründe und Ziele der Erhöhung am Markt erklären.

 


aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt" Autor: Ingo Schenk

 

 



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