Aufschwung macht Pause - Nachholeffekte und Exporte sind aber Treiber im 2 Quartal
Neuss, 10.05.2010
In der Grundtendenz ist der Aufschwung intakt. Die Mittelstandskonjunktur hat im 1. Quartal 2010 aber eine saisonbedingte Delle erfahren. Ursächlich dafür war der lange Winter, der viele Tätigkeiten für längere Zeit zum Erliegen brachte.
So notiert der Creditreform Wirtschaftsindikator mit +7,2 Punkten 0,8 Zähler schwächer als im Vorquartal (+8,0 Punkte). Im 2. Quartal dürfte sich die gesamtwirtschaftliche Erholung auf niedrigem Niveau fortsetzen. Zu großen Teilen wird diese aber aus dem anziehenden Export
und den witterungsbedingten Nachholeffekten gespeist.
Unternehmen anfälliger für Insolvenzen - Ausblick: Aufschwung nimmt Fahrt auf
Die Geschäftserwartungen der mittelständischen Unternehmen sind überwiegend zuversichtlich. Die Zahl der optimistischen Betriebe überwiegt die Zahl der Pessimisten um 17,3 Prozentpunkte (Vorquartal: 5,2 Prozentpunkte). Das ist der höchste Stand seit 1 ½ Jahren. Schwach ausgeprägt ist allerdings noch die Investitionstätigkeit. Derzeit planen weniger Firmen ein Investitionsvorhaben als im langfristigen Durchschnitt.
Zudem sind die Ausläufer des Rezessionsjahres 2009 weiterhin spürbar. Die Insolvenzanfälligkeit der mittelständischen Unternehmen hat sich im 1. Quartal nochmals erhöht. Das signalisiert der Creditreform Risiko Indikator (CRI), das zentrale Insolvenzrisikomaß, der von 2,30 auf 2,37 steigt. Mittlerweile weisen pro 10.000 Unternehmen 237 Firmen ein Negativmerkmal aufweisen – etwa einen massiven Zahlungsverzug oder einen Insolvenzantrag.
Der Zahlungsverzug beträgt durchschnittlich 13,10 Tage (Vorquartal: 12,37 Tage) und weist damit eine steigende Tendenz auf. Der durchschnittliche Bonitätsindex blieb unverändert bei 2,62. Gegenüber dem Stand von 2008 wurde die Kreditwürdigkeit aber drei Punkte heruntergestuft.
Quartal
01/08
02/08
03/08
04/08
01/09
02/09
03/09
04/09
01/10
Grundstoffe
13,0
14,2
12,1
9,5
4,7
10,5
10,7
10,9
11,2
Chemie
19,5
20,1
19,0
11,3
10,0
13,0
11,5
15,8
14,0
Metall/ Elektro
16,8
18,2
16,6
10,9
7,0
6,9
8,9
10,7
9,8
Konsumgüter
15,3
11,9
13,2
5,3
5,2
9,3
8,8
11,2
10,7
Bauwirtschaft
3,5
6,0
5,5
4,0
0,0
3,0
3,4
3,5
1,5
Großhandel
12,4
11,9
10,0
5,9
4,0
5,6
7,9
9,1
8,2
Einzelhandel
8,6
8,1
9,2
4,1
3,8
5,0
5,9
5,4
3,8
Verkehr/Logistik
3,8
4,1
0,0
-5,1
-7,5
-5,0
-5,1
-2,6
-4,6
UnternehmenDL
14,1
14,0
13,2
10,4
9,3
8,9
10,1
11,8
10,9
Personenbez.DL
7,5
6,9
7,6
7,4
4,9
6,4
6,7
7,8
8,5
Einzelhandel und Logistik mit schwachem Start in 2010
Noch ist der Aufschwung nicht in allen Branchen angekommen. Schwach ins Jahr gestartet sind Einzelhandel und Logistikwirtschaft. Nur zwei Wirtschaftsbereiche verzeichneten einen Anstieg des Branchenindikators: Die konsumnahen Dienstleistungen gehen gestärkt aus der Krise hervor und übertreffen mittlerweile die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Auch in der Grundstoffindustrie weist die Konjunkturkurve nach oben.
Zur Methodik
Zur Einschätzung der konjunkturellen Gesamtsituation berücksichtigt der Creditreform Wirtschaftsindikator Finanzinformationen sowie Daten zur Unternehmensstabilität aus der Wirtschaftsdatenbank von Creditreform und verknüpft diese mit empirischen Befunden aus regelmäßigen Unternehmensbefragungen. Indikatorwerte über Null zeigen ein wirtschaftliches Wachstum, negative Werte entsprechen einer Stagnations- bzw. Rezessionsphase. Die vier Einzelkomponenten Geschäftsklima, Zahlungsverhalten, Bonität und Insolvenzanfälligkeit
werden zu einem Index verdichtet.
Der vollständige Quartalsbericht kann unter "Downloads" kostenlos als pdf heruntergeladen werden. Die nächste Ausgabe erscheint Anfang August 2010.